Das Märchen vom Druckfehlerteufel

Druckfehlerteufel? Was ist damit gemeint?

Nachsätze mit "Druckfehler vorbehalten" werden gerne in Prospekten, Katalogen etc. verwendet, um sich vor evtl. Schadenersatzansprüchen zu schützen. Auf gut deutsch: "In diesem Prospekt haben wir möglicherweise ein paar Fehler übersehen!" Klingt unprofessionell, drum schreibt das auch keiner, wäre aber wenigstens die Wahrheit. Viele Unternehmen sehen es auch so:" Hier haben Sie die wichtigsten Informationen. Ob der Text fehlerfrei ist, wissen wir nicht, (ist uns auch wurscht) weil wir kein Geld für ein Lektorat ausgeben."
Eine bekannte Drogeriekette hatte vor ein oder zwei Jahren ein Sonderprodukt angeboten, das in den Prints versehentlich mit einem viel zu billigen Preis ausgezeichnet war. Dazu später mehr.

Druckfehlerteufel

Die Verantwortung für etwas, was man selbst gemacht hat, einem anderen zu unterschieben, ist ja schon mal eine recht miese Tour, oder? Aber einer fiktiven Person, wie dem Druckfehlerteufel etwas unterzuschieben, ist schon dreist. Nicht, weil der sich der kleine Teufel ärgert, sondern weil sich Kunden verarscht fühlen. Fehler zu machen kommt vor, aber dann sollte man auch dazu stehen, finden Sie nicht? Das würden die Kunden verstehen, und Sie und Ihr Unternehmen würden in der Achtung des Kunden massiv gewinnen. Wenn nicht, arbeiten Sie sich an die Glaubwürdigkeit eines schmierigen Straßenverkäufers heran. Also keine gute Option.

Ein Unternehmensberater, mit dem ich kürzlich gesprochen hatte, hätte eine gute Lösung gehabt. Er hätte in den Filialen und beim Produkt auffällige Plakate aufhängen lassen, wo auf den Fehler hingewiesen wird. Günstigenfalls mit einer Entschuldigung. Da der korrekte Preis noch immer sehr günstig war, wären sicher die meisten Geräte verkauft worden.

Die Leitung des Unternehmens mit dem falsch ausgepreisten Artikel bemerkte das allerdings erst, als die Prospekte ausgelegt, und die Waren in den Filialen verfügbar waren. Sofort wurden die Mitarbeiter angewiesen, die Kunden mit "leider nicht lieferbar", "schon ausverkauft" und ähnlichen Notlügen abzufertigen. Damit war zwar der finanzielle Schaden teilweise abgewendet, immerhin erforderte es teuren Neudruck, die Retournierung der Waren ins Zentrallager zur späteren Verteilung in den Filialen. Nehmen wir mal nur 10.000€ Schaden als Untergrenze an, und vergleichen wir das mit einer Investition von 500€ für das Lektorat der Printvorlagen. Ich denke, das sagt alles.

Natürlich wollen Unternehmen sparen, aber die einfache Rechnung zeigt, dass da nicht gespart, sondern kräftig draufgezahlt wurde.
Rechnen Sie es mal auf Ihre Situation um. Was verdienen Sie im Schnitt an einem gewonnenen Kunden/Auftrag? Nehmen wir mal 800€. Ihre nicht sehr umfangreiche fehlerhafte Seite würde bspw. 800€ an Lektoraufwand erfordern. Das heißt, Sie investieren einmalig den ersten Gewinn mit dem Neukunden, an allen weiteren Käufen, und dann den ebenfalls gewonnenen Neukunden verdienen Sie dann die vollen 100%. Und korrekte Texte bringen mehr Neukunden.

Was hat es nun mit dem Druckfehlerteufel auf sich?

Die Herkunft dieses Fiktionswortes wird wohl noch aus Zeiten des Herrn Gutenberg stammen. Aber sehen wir das mal realistisch:

Auch wenn Sie vielleicht kein Fachmann sind, aber können Sie sich vorstellen, dass eine moderne Druckanlage imstande ist, auf hinterhältige Weise Buchstaben zu entfernen, oder gar auszutauschen, ganze Satzteile in einem Absatz durcheinanderzuwirbeln, und aus der Firmenfarbe (C9800) ein ------  (c9bc00) zu machen? Gut, möglicherweise gibt es einen Fehler in der Software, das ist aber mehr als ungewöhnlich. Also kann die Druckmaschine nichts dafür, und der Fehler ist zumindest dem Letzten in der Reihe vor dem Druck zuzurechnen, oder?
Somit wäre "Tippfehler" (auch bei den Farbcodes) noch akzeptabel, aber Druckfehler ist natürlich bequemer. Im ersten Moment.

Vergleichen Sie mal die beiden Bilder. Gehen wir mal davon aus, beide Verdrahtungen funktionieren. Sie sehen beiden Monteuren zu, und beide sind gleich dabei, die Gehäuse zu schließen. Gehen wir weiters davon aus, in Ihrem Betrieb wären neue Schaltschränke einzubauen. Bei welchem Unternehmen würden Sie zwecks eines Angebotes zuerst anfragen? 

Vielleicht sind Sie der Meinung, dass man schlampige Verkabelungen nicht mit Tippfehlern vergleichen kann. Aber mal ehrlich, schlampig ist schlampig, egal wie, wo und warum, oder?

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