Ein Lektor spült Geld in die Kasse?

Vielleicht kennen Sie das?

Mit viel Fleiß und Zeitaufwand hat ein großer Diskonter  einen neuer Flyer erstellt. Als die Flyer verteilt werden, folgt der große Schock.

Ein Tippfehler! Statt 1.990,- ist der Artikel mit 990€ ausgepriesen. 

Panikartig wurden alle Verkäufer verständigt, und mit den üblichen Ausreden wie "Nicht lieferbar!" oder "der Artikel ist schon ausverkauft!" instruiert. 

Und natürlich haben wir wie alle "Druckfehler vorbehalten!" am Flyer vermerkt. Fein raus, oder? Noch mal Glück gehabt? Nimmt man 100e verärgerte Kunden in Kauf, kann man damit leben.
Wobei, "Druckfehler vorbehalten" natürlich Quatsch ist. Ich habe öfter mit Druckereien zu tun, und noch nie habe ich festgestellt, dass eine Druckmaschine auf hinterhältige Weise Buchstaben vertauscht oder löscht. Von mir aus "Tippfehler vorbehalten!", wobei das ja den Anschein hätte, als läge der Fehler bei uns. Das wollen wir auch nicht, oder?

Naja, sehen wir uns das mal genauer an:

  1. Layouten und Druckkosten für 8-seitige Flyer samt Verteilungskosten an rd. 4 Mio. Haushalte
  2. Auslieferung der Artikel zu den Verkaufsstellen im gesamten Bundesgebiet
  3. Rückholung der gesamten Lieferung, oder Neudruck samt Verteilung

Ich denke, unter einer 1/2 Mio. Verlust wird da nichts laufen. Das Lektorat hätte grad mal  70 € gekostet.
So gesehen ist ein gutes Lektorat eine höchst preiswerte Versicherung für Schadensbegrenzung, oder?

Die schmerzliche Gegenrechnung erspare ich Ihnen an dieser Stelle. Von Hunderten verärgerten Kunden mal abgesehen.
Und das ist nur ein Beispiel von vielen, die ich laufend erlebe.

Dabei wärs so einfach und preiswert, teure Fehler zu vermeiden.

Vielleicht achten andere Lektoren nur auf die Grammatik und stilistische Feinheiten. Kann und will ich nicht kommentieren.
Für mich ist es selbstverständlich, auch Zahlen, Einheiten etc. zu prüfen. Soweit diese verdächtig falsch sind.

    • Tischhöhe 183 cm,
    • Medikation 2 dag 3x tgl.,
    • 3 Zimmer Wohnung mit 85 km²

Natürlich fällt einem Kunden auf, dass da ein Tippfehler ist. Tischplatten sind im Normalfall nicht in Kleiderkastenhöhe. Anders ist es bei einem Produkt für den laienhaften Kunden. Wie beispielsweise bei Medikamenten, Chemikalien, oder anderen nicht gängigen Materialien. Überlegen Sie mal, was da an Schadenersatzforderungen auf Sie zukommen kann.

Solche Fehler sind Tagesgeschäft. Und ich erspare meinen Kunden laufend viele Tausend Euro.

Ich schreibe das hier nicht, um mich danach besser zu fühlen, oder weil ich meine Kunden hinhängen will. Ich möchte Sie zum Nachdenken anregen, wie leicht und mit wie wenig Geld enorme Schäden vermeidbar sind.

Übrigens: ich lasse meine Texte, die ich für Kunden produziere, bspw. wenn ich Broschüren layoute, auch von einem Lektor Korrekturlesen.

Schon aus dem Grund, weil man bei Selbstgetextetem Fehler extrem leicht übersieht. Meist, weil man den Text schon auswendig auf einem Bein vorsingen kann. Aus dem Grund werden auch Satz-Zerreißungen übersehen. Diese passieren meist, wenn man in Word mit drag & drop arbeitet. Da wird viel umgestellt, und nachher meint jeder, jetzt passt alles. Ist aber nicht so. Immer wieder bleiben Satzfragmente stehen, oder fehlt wo ein halber Satz.

Ach ja, des Kunden liebster "Sparefroh", die Word Autokorrektur!

Je nach Training Ihrer Autokorrektur wird diese im folgenden Satz keinen Fehler finden:
Sie wackelten sich den Schall fast um den Halt.

Ich hätte 4 gefunden 😉 Sie sicher auch!
So toll ist also diese Automatik nicht. Und nachdem die Autokorrektur schon bei den einfachen Aufgaben scheitert, wird sie fehlende Satzteile auch nicht aufspüren.

Noch schlimmer sind einzelne Buchstaben, die den Sinn völlig umkehren. Ein Beispiel?
Mit unseren Fräsköpfen haben Sie keine hervorragende und langlebige Qualität.
Natürlich haben Sie den Fehler gleich gesehen. Weil ich Ihnen den Text vorgeschrieben habe, und Sie den Text nicht selbst getippt haben. Und Sie ja schon wussten, da wird was nicht stimmen.
Ihr Kunde allerdings wird höchst irritiert sein. Das sollte man immer vermeiden.

Wer selbst textet, nutzt wie ich auch laufend das drag & drop. Leider ist es so, dass dann oft Satzteile fehlen, oder an anderer Stelle übrig bleiben. Oft kann dann schon ein Beistrich an falscher Stelle völliges Chaos auslösen. Mal als Beispiel: "Ich komme, nicht erschießen!" oder "Ich komme nicht, erschießen!" 

Auch die Grammatik kann seltsame Auswüchse bekommen.
Beispielsweise wenn anfangs die Einzahl geplant war, dann aber die Mehrzahl verwendet wird.
Auch das leidige "dem" oder "den", was sehr oft übersehen wird.

Warum erzähle ich Ihnen das?

"Betriebsblindheit" gibt´s natürlich auch beim Texten. Auch wenn man den Text nach der letzten "Umbaumaßnahme" durchliest, übersieht man viel. Weil man einen Text nur dann wertfrei Korrekturlesen kann, wenn man den Text das erste Mal sieht. Das ist einfach so. Aus dem gleichen Grund sehen Unternehmensberater Lösungen, die betriebseigene Mitarbeiter nicht sehen.

 

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